Mit Methode in den Abgrund –
Agiler wird’s nicht

Erfahren Sie, warum es noch nie wirklich um die Methode ging…

Wer so viel Zeit mit dem Vermitteln von Theorie rund um Organisationsabläufe verbracht hat wie ich, fragt sich irgendwann eines: Warum funktioniert die Methode hier nicht? Als Trainer und Berater war ich einst Held des Service Managements. Ich wusste, wie eine Organisation ticken muss. Wie der Organismus funktionieren muss, damit die Philosophie dahinter aufgeht. Mit der Methode hatte es jedoch selten zu tun.

Herunter gebrochen auf Prozesse, Rollen und Werkzeuge war es verhältnismäßig leicht, trotz einer nicht zu unterschlagenden Inhaltsfülle, die Grundzüge der jeweiligen Methode in sogenannten Foundation oder Expert Seminaren zu vermitteln. Die Teilnehmer nickten, gaben nach einiger Diskussion zu, dass es doch in Summe schon sinnvoll sei. Sie waren sich jedoch auch regelmäßig einig: Bei uns wird sowas nie funktionieren.

Mehr als nur Methode

Egal welche Methode man sich hier anschaut, der faktische Aufbau besteht stets aus Vorgehensmodellen, Prozessen und klar umrissenen Aufgabenprofilen der einzelnen Beteiligten. Überall geistert das sogenannte „Management Commitment“ um, welches natürlich wegweisend ist, für den Erfolg dieser oder jener Methode. So trägt man hierzulande einige dieser Trends bereits zu Grabe, weil drei oder mehr Anläufe „Scrum einzuführen“ nicht funktioniert haben. Andernorts wird bereits am nächsten leicht verständlichen und revolutionären Methodenkoffer gearbeitet. Dieser reißt dann den Thron der Best Practice an sich und verbannt den Rest aufs Abstellgleis unpraktikabler Theorie. Diese sei eh nur etwas für Akademiker gewesen und habe mit der Unternehmenspraxis nun wirklich nichts (mehr) zu tun.

Schön! Management und Mode, alles hat seine Trends, alles kommt irgendwann wieder. 

Ganz nebenbei habe ich mich mit der Zeit gefragt, ob es tatsächlich auf die Methode ankommt. Dabei konnte ich beobachten, was viele in den Mühlen konzernoperativen Trendgehorsams auch jeden Tag wahrnehmen können: An den Methoden und Werkzeugen liegt es irgendwie nicht. Ich bin sicher: Auch Sie haben es bereits geahnt.

Sie kennen die Success Stories, die Beispiele wo wieder eine bestimmte Methode für ein Unternehmen den Durchbruch bedeutet hat. Diese werden natürlich herangezogen um den Erfolg der Methode nachweislich zu untermauern. Doch selbst unter Anwendung des identischen Vorgehens, der gleichen Prozesse und des selben Werkzeugs wird es in keinem anderen Unternehmen zu derartigen Erfolgen kommen. Ich habe mich von den Methoden einmal entfernt und herausgearbeitet, was neben einer ausgewählten Methode tatsächlich für deren Erfolg notwendig ist:

1. Haltung

Allen genannten Methoden, ob Design Thinking, ITIL®, Scrum oder jeder beliebigen anderen ist zwischen den Zeilen der Aufruf zu Haltung und Aufrichtigkeit zu entnehmen. Der Kunde wird ernsthaft wertgeschätzt und seine Interessen und Bedürfnisse verstanden und bedient. Hierzu gehört, sowohl das Wissen um die richtigen Kunden, als auch die Freiheit, nicht jede Unmöglichkeit eines Kunden direkt wahr zu machen. Diese Haltung spiegelt sich in der geforderten Transparenz wieder. Diese deckt durch Feedback und Nachvollziehbarkeit Schwachstellen einzig dafür auf, um daraus gemeinsam die Potenziale für Verbesserungen zu schöpfen. Natürlich wieder im Sinne des Kunden.

Die sich daraus ergebende Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit würde dann zu nachhaltigem geschäftlichen Erfolg führen, da die entstandene Qualität für sich steht und ihren Preis auch wert ist. 

All den dokumentierten Best Practices sind Werkzeuge zu entnehmen, wie dieses Wunschszenario zu erreichen ist. Beginnen muss es jedoch mit der Haltung, die nicht im Einzelnen, sondern in der unternehmenskulturellen Prägung fest verankert sein muss.

Frage eines Mitarbeiters: „Seit wann sind uns unsere Kunden eigentlich egal?“ – CEO: „Seit dem sie uns nicht mehr scheißegal sind.“

2. Disziplin

Jede genannte Methode gibt in gewissem Maß vor, was jeder zu tun hat. Ob als Vorgehen, als „Approach“, als Prozess oder nur als Rollenmodell, immer werden direkte Vorgaben zu Aufgaben und Verantwortlichkeiten der beteiligten Personen gemacht. Dazu gehört auch häufiger eine Entscheidung zu treffen und diese dann gemäß den Prozessen zu bearbeiten. Das erfordert in all diesen Frameworks von den Beteiligten besonders viel Disziplin. Diese Disziplin bezieht sich insbesondere darauf, Aufgaben wie das Dokumentieren oder Testen genauso wertig zu behandeln wie die eigentliche Herstellungsaufgabe.

Die erwarteten Vorteile einer Methode ergeben sich dann auch tatsächlich erst, sobald das Gesamtkonzept umgesetzt wird und nicht nur die Teile, die grad ins System passen. Dabei ist es vollkommen egal, bei welcher Methode Sie sich an den vorgegebenen Rahmen halten wollen. Wenn Sie es nicht tun, bleibt der erwartete Nutzen aus! Garantiert!

Diese Verlässlichkeit durch Konsequenz und Disziplin aufzubauen, zu überzeugen und wertzuschätzen, das ist die Herausforderung der Sie sich bei der Umsetzung einer Methode Ihrer Wahl stellen müssen. Die Kernelemente hierbei sind der Umgang mit Risiken, unangenehmen Wahrheiten und dem Wörtchen Nein: Sie müssen als Organisation gelernt haben, den Wert von Risiken und deren Vermeidung richtig einzuordnen. In jedem Fall sollten Sie diszipliniert entscheiden.

„Wir machen unsere Projekte jetzt agil – Endlich eine Methode, die so chaotisch ist, wie wir“

3. Vertrauen

Vertrauen ist wichtig wenn es darum geht, die direkte Kontrolle abzugeben. Unabhängig ob ich die Kontrolle an den Entwickler, einen Dienstleister oder ein Team abgebe, ich muss den Mut aufbringen, nicht mehr alles vermeintlich selbst in der Hand zu haben.

Sich zu trauen zu vertrauen erfordert Mut und Selbstbewusstsein und die Fähigkeit mit Unsicherheit umzugehen. Viele der Methoden stellen letztlich nur einen Versuch dar, genau diese Unsicherheit in den Griff zu bekommen. Vergessen Sie jedoch nicht, neben der Unsicherheitsbewältigung auch ins Vertrauen zu investieren. Und was bringen Ihnen Serviceverträge und vielschichtige Prozesse, wenn Sie selbst nicht an die Potenziale der Ergebnisse glauben.

„Die Dicke des Vertrags verhält sich antiproportional zum gegenseitigen Vertrauen“

So bin ich davon überzeugt, dass jede noch so agile Methode bei Ihnen scheitern wird, wenn die kulturellen Voraussetzungen nicht gegeben sind. Andersherum finde ich es jedoch besser ausgedrückt: Sie können jede Methode erfolgreich einführen, sofern Sie sich mit den impliziten Grundvoraussetzungen in Ihrer Organisation beschäftigen und diese bei der Umsetzung beherzigen.

Wir als Executive Mediation helfen Ihnen dabei gern.

In diesem Sinne,
ein Lächeln bewegt mehr!

Ihr Peter Kleinau

 

Über den Autor


Peter Kleinau
Peter Kleinau

Geschäftsführender Gesellschafter bei der Executive Mediation GmbH

Schwerpunkte: Strategischer Berater, Leadership Coach & Innovations Facilitator

Kommentare 1

  1. Einfach genial zusammengefasst und auf den Punkt gebracht. Ohne das Verständnis und das Wollen im ganzen Unternehmen, kann man noch so gute Vorschläge und Ideen zur Umsetzung haben. Es kann und wird nicht klappen.
    Danke für diesen hoffentlich bei einigen erhellenden Text.
    Viele Grüße

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