Lassen Sie das Loben

Führungskräfte müssen ihre Mitarbeiter loben, das ist weit verbreitet. Möglichst viel und am Besten mit persönlicher Note. Doch wie sieht das in der Praxis aus? Nach wichtigen Terminen oder Kundengesprächen die Mitarbeiter zur Seite nehmen, auf die Schulter klopfen und sagen „Gut gemacht“?

„Ein gutes Lob ersetzt die Gehaltserhöhung“
schwäbischer Unternehmer
Diese väterlich patriarchische Geste hat ausgedient. Auf heutige Wissensarbeiter, die sich in Matrixorganisationen durch den Verantwortlichkeits- und Prozessdschungel kämpfen wirkt es eher abschätzig und hat damit sogar den gegenteiligen Effekt.

Im heutigen nachfragedominierten Arbeitsmarkt ist es weniger nötig, das Selbstwertgefühl Ihrer Facharbeiter durch das althergebrachte „Lob“ zu steigern. Die Mitarbeiter wissen sehr genau, was sie können und worin sie gut sind. Vielmehr geht es heute darum bedeutsam zu sein. Dabei soll der Wert der Tätigkeit und der eigenen Rolle erkennbar sein. Was die Mitarbeiter von Ihnen als Führungskraft brauchen, ist Wertschätzung.

Loben ist nicht gleich wertschätzen

Doch Wertschätzung ist nicht gleichbedeutend mit loben. Wertschätzung erfahren Mitarbeiter sehr unterschiedlich. Sie kann sich auf den Menschen als Wesen beziehen, auf bestimmte Eigenschaften oder Leistungen. Lob setzt bei der punktuellen Wertschätzung einer Einzelleistung an. Wollen Sie jedoch weiter gehen, wird es schon schwieriger in der Umsetzung.

Um Wert-zu-schätzen kommt es darauf an, die Werte Ihrer Mitarbeiter zu kennen. Oder kurzum die Frage beantworten zu können:

Was ist ihr / ihm wichtig?

Die Erkenntnisse aus dieser Frage können Sie dann in der generellen Arbeitsorganisation oder in der Interaktion mit Ihren Mitarbeitern berücksichtigen. So müssen sie möglicherweise für unterschiedliche Mitarbeitertypen kreativ werden, da dem einen Familie und Gesundheit und dem anderen eher Herausforderungen und Status wichtig sind. Damit kommen flexiblere Arbeitszeiten genauso als Maßnahme in Betracht, wie die Möglichkeit, den firmeneigenen Audi A8 am Wochenende privat fahren zu dürfen.

Werte schätzen lernen

Natürlich sollten Sie auch überprüfen, welche Werte Ihre Organisation vertritt und wie diese in der Organisation gelebt werden. Achten Sie bereits bei der Auswahl von Mitarbeitern darauf, dass Ihre Werte für die Anwärter auch eine Bedeutung haben. Denn passen die gelebten Werte einer Unternehmenskultur und die der Mitarbeiter zusammen, ergibt sich bereits aus der Zugehörigkeit ein Gefühl von Wertschätzung. Es fallen dann Sätze wie:

„Ich darf hier arbeiten“
„Ich bin Teil von etwas Großartigem“

Diese Motivation und Zugehörigkeit werden Sie mit einem Lob, selbst wenn Sie es tausendfach wiederholen, nicht erreichen. Die Motivation Ihrer Mitarbeiter ergibt sich aus dem Respekt und der Anerkennung, den Sie ihren persönlichen Werten und ihren Leistungen entgegenbringen.

Ganz in diesem Sinne,
ein Lächeln bewegt mehr.

Ihr Peter Kleinau

Über den Autor


Peter Kleinau
Peter Kleinau

Geschäftsführender Gesellschafter bei der Executive Mediation GmbH

Schwerpunkte: Strategischer Berater, Leadership Coach & Innovations Facilitator