Lagerfeuer am Konfliktherd

Oder wieso man es niemandem recht zu machen vermag!

Zwischenmenschliche Konflikte und Missverständnisse begleiten uns in allen Lebensbereichen. Wir sind in der Lage mit ihnen zu leben, sie zu ignorieren oder sie auszutragen. Doch was sind die Konfliktursachen?

Bei einem Konflikt stimmt unsere Wahrnehmung nicht mit dem überein, was unsere Erwartung uns hoffen lässt. Es entsteht ein Gefühl der Unsicherheit oder ein generell schlechtes Gefühl. Dieses führt dazu, dass wir ein Verhalten suchen, um uns besser zu fühlen. Je nach Möglichkeit lässt dieses Konfliktverhalten den Konflikt entweder verschwinden oder macht ihn sogar schlimmer.

Erwartungen

Zunächst darf man sich fragen, wo kommen die Erwartungen her? Oft gibt es bereits Erfahrungen oder Vereinbarungen welche die besagten Erwartungen zulassen. Doch häufig kann davon ausgegangen werden, dass die Erwartungen dem persönlichen Wertesystem entspringen. Dabei sind Aussagen typisch wie: „Es ist doch normal, dass…“, „Sowas macht man doch nicht“ oder „Jeder normale Mensch würde doch…“.

Meist hilft es schon, in der Kommunikation den Fokus auf die Erwartungen zu legen. Bereits hier kann für die Konfliktparteien transparent werden, was die Gründe für den Konflikt sind. Fragen Sie sich:

  • „Was hätte denn im Idealfall passieren müssen?“
  • „Wie wäre gemäß den Erwartungen das perfekte Verhalten gewesen?

Die Erkenntnis, dass der jeweils andere die resultierenden Erwartungen ohne vorherige Klärung niemals hätte erfüllen können, helfen meist bei der Lösung des Konflikts.

Es ist nicht das Ziel, die Erwartungen zu vereinheitlichen oder sie zu beeinflussen, sondern sich diese nur bewusst zu machen. Damit ist es möglich die jeweils anderen Erwartungen gezielt zu erfüllen oder bewusst auf diese nicht erfüllte Erwartung einzugehen.

Wahrnehmung

Bei Konflikten geht es selten nur um die Wahrnehmung durch unsere fünf Sinne. Nicht das gesprochene Wort, oder das beobachtete Verhalten sorgt für den Konflikt, sondern die eigens hinzugefügten Annahmen und Erfahrungen. Das Gehirn beginnt direkt nach der reinen Tatsachenbeobachtung damit, die Interpretation der Lage zu ergänzen. Damit ergibt die Beobachtung einen Sinn z.B. aus welchem Grund oder mit welcher Absicht eine bestimmte Aktion stattgefunden hat.

Leider gehen wir dabei stets vom eigenen Standpunkt und vom eigenen Wertesystem aus. Wodurch wir selbst zur Messlatte des Verhaltens der anderen werden. Wenn es beispielsweise für mich in Ordnung ist, eine Veranstaltung mit der Ausrede „Magen-Darm“ abzusagen, werde ich sobald jemand meine Einladung mit „Magen-Darm“ absagt, sofort eine Ausrede vermuten. Dies gilt auch dann, wenn es gar keine Ausrede ist.

Diese Fähigkeit des „Hellsehens“ ist tatsächlich ein wahrer Konfliktherd, weil sie das eigene höchstindividuelle Erwartungsspektrum mit einer unvollständigen Wahrnehmung kombiniert. Das Ergebnis sind Konflikte, negative Gefühle und kriselnde Beziehungen, egal ob beim Kunden, im Büro oder zu Hause.

Der Konflikt und seine Emotionen

Das Spektrum der möglichen Emotionen ist schier grenzenlos. Zu schnell fühlt man sich verletzt, verraten und ungerecht behandelt. Um bei dem „Magen-Darm“ Beispiel zu bleiben, gibt es gleich mehrere Interpretationsansätze. Sie dürfen sich gern einen aussuchen:

  • „Alles Ausrede, ich werde belogen“ – Misstrauen
  • „Alles Ausrede, soll er gleich sagen, dass er mich nicht mag“ – Geringschätzung
  • „Wir müssen immer zu seinen Verabredungen kommen, nie kommt er zu uns“ – Ungerechtigkeit

Jetzt klingt es sicherlich etwas leichtfüßig, diese Begründungen von vornherein auszuschließen (denn sie sind leider auch manchmal Realität). Dennoch sollten Sie Ihre Begründungen auf die beobachtbare Wahrnehmung stützen. Machen Sie sich die Annahmen, die Sie darüber hinaus treffen auch als solche bewusst bzw. hinterfragen Sie sie direkt. Am schnellsten und einfachsten geht dies, indem Sie nachfragen und sowohl Erwartungen als auch Wahrnehmungen ansprechen.

Kommunikationstheoretisch sind dabei dann am Besten nur Ich-Botschaften im Spiel („Ich habe erwartet…“, „Ich habe wahrgenommen..“) und konfliktschürende Vorwürfe bleiben aus.

Zu schnell um neutral zu bleiben

Leider sind unsere Gefühle deutlich schneller, als dass wir die Möglichkeit bekommen, unsere Wahrnehmung auszudrücken. Und genau das ist der Grund für diesen Artikel. Denn jetzt habe ich Ihre Wahrnehmung in diese Richtung ein kleines Stück geschärft. Beobachten Sie sich und andere dabei, auf Basis kleinster Signale und enttäuschter Erwartungen in eine Konfliktsituation zu geraten. Denn bevor Konflikte gezielt angegangen und gelöst werden können, ist es essenziell sie als solche zu erkennen.

Hinzu kommt: Je weiter ein Konflikt sich entwickelt, kann kaum jemand noch genau sagen, warum er ursprünglich entstanden ist. Die verletzten Gefühle überdecken sowohl die Wahrnehmung als auch das Urteilsvermögen und lassen hinter jeder Geste einen weiteren Angriff vermuten. In dieser Eskalationsstufe ist es schwer, nur noch über die Sache zu sprechen. In der Konfliktlösung kann man davon ausgehen, mit starken Emotionen konfrontiert zu werden.

Wie jeder Einzelne letztlich mit Konflikten umgeht, ist sehr unterschiedlich. Es gibt konkrete Typen und Verhaltensweisen, die sich direkt auf die Dauer und Intensität der Konflikte auswirken können. Doch das wäre zu spannend und zu komplex um hier in einem Schlusssatz unterzugehen. Wenn Sie möchten, lesen Sie dazu den nächsten Artikel „Ein Konflikt kommt selten allein.“

Bleiben Sie wachsam, bei sich selbst und bei allen die mit ihnen ums Lagerfeuer sitzen…

Herzliche Grüße,
Peter Kleinau