Büro ist Krieg

Als ich das Zitat zum ersten Mal hörte, saß ich noch im Vorlesungssaal. In den Pausen schauten wir Serienklassiker wie Scrubs oder auch Stromberg. Es war einer der wenigen Sprüche, die man nie wieder vergisst:

Büro ist KriegBernd Stromberg

In der Hoffnung, so schlimm würde es schon nicht werden, haben wir das damals als Satire des Bürolebens abgetan. In den letzten Jahren hat es sich aber als untertriebene Banalisierung einer weit schlimmeren Realität herausgestellt.

Achten Sie einmal genau auf die Sprache im Büro. Schnell werden Sie denken, Sie stünden auf dem Schlachtfeld. Jeder versteht die Analogien und Metaphern die genutzt werden, doch was ganz subtil mitschwingt, ist die eigene Haltung. Die anderen sind die Bösen. Wir sind die Guten. Ohne klar abzugrenzen, wer genau die anderen sind.

In der Folge passt sich die gesamte Stimmung dieser Haltung an und bspw.  ein Projekt gestaltet sich deutlich schwieriger in der Umsetzung.

Die folgenden Zeilen entstammen meiner Beobachtung aus Projekten der vergangenen Jahre und bilden nur einen Bruchteil der sprachlichen Kriegstreiberei in Unternehmen ab:

Bereits vor Meetings, den modernen Kriegsschauplätzen, wird man mit genügend Powerpoint-Folien „bewaffnet“, mit denen man dann in die „Schlacht“ zieht.

Die zu vermittelnden Informationen, sofern vorhanden, werden als Munition wahrgenommen und sobald inhaltlich alles gesagt wurde, ist das „Pulver verschossen“. Sollte das allerdings nicht zur Überzeugung und Entscheidungsfindung gereicht haben, verliert man seine Glaubwürdigkeit und gilt als „verbrannt“.

Um dieser Situation vorzubeugen, bedienen sich die Mitarbeiter in großen Organisation diverser Mittel. So werden „Spione“ zu konkurrierenden Organisationseinheiten oder Projekten geschickt um beim „Feind“ die Schwächen zu kennen. „Grabenkämpfe“ bilden sogenannte „Nebenkriegsschauplätze“ bei denen dann meist weniger um Inhalte, sondern um persönliche Ziele und Absichten gestritten wird, manchmal aber auch um Mitarbeiter, Budgets und Positionen. Unwichtige Entscheidungen sind schnell getroffen und gelten als nicht „kriegsentscheidend“ und man nimmt lieber „keine Gefangenen“.

Meine Beobachtungen haben ergeben, dass die Kriegsrhetorik sich auch auf die Methoden und Maßnahmen ausdehnt.

Insbesondere in Gesprächen mit Entscheidungsträgern lassen sich „Tretminen“ legen, die erst mit einer gewissen Verzögerung beim Gegenüber das Nachdenken anregen und damit größere Zweifel auslösen oder weitere Analysen notwendig machen.

Von „Nebelbomben“ ist die Rede, wenn Sachverhalte und Fakten eingeworfen werden, die sofort eine größere Ungewissheit in der Runde hinterlassen und ein eigentlich geklärter Umstand neu zu hinterfragen ist.

Auf diese Art, kann jemand sogar eine ganze Veranstaltung „sprengen“. Eine Steering Board Sitzung kann so schnell eskalieren. Passiert dies sogar durch den eigenen Projekt-Mitarbeiter, fühlt es sich an wie ein „Messer im Rücken“. Konsequenzen werden direkt oft lautstark gefordert. Umgangssprachlich sollen dann gleich „Köpfe rollen“. In der klaren Forderung die Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, bin ich selbst eher Freund der Formulierung, dass jemand „mit den Ohren an die Wand genagelt“ wird, was sich zwar schmerzhaft anhört, aber damit perfekt in die sprachliche Landschaft zu passen scheint.

 

Viele organisatorisch getriebene Mitarbeiter (Sicherheit, Qualität, Transparenz, Nachvollziehbarkeit, Messbarkeit) empfinden sich als „Einzelkämpfer“. Die davon betroffenen Mitarbeiter und Führungskräfte haben auch wenig Interesse an diesen Themen, da sie möglicherweise „Leichen im Keller“ liegen haben, über die besser nicht gesprochen wird. Diese könnten sich sogar häufen, während man mit der Pistole auf der Brust zu unvorteilhaften Kompromissen überredet wird.

Es werden gern „Tarn- und Ablenkungsmanöver“ initiiert. Dazu wird weitere externe Beratungskompetenz eingekauft, in der Hoffnung, sie bringt eine volle „Waffenkammer“ mit. Dies bezieht sich auf die Vorlagen, Modelle und Erfahrungen, mit denen durchaus neue Präsentationen (Bewaffnung) und neue Informationen (Munition) entstehen können, aber die Ursache für die Fehlentwicklung (Leichen im Keller) meist nicht angerührt wird.

Erst kürzlich sagte mir ein Hersteller eines Softwaretools, dass bitte vor der Einführung auf die typischen „Heckenschützen“ zu achten sei. Er bezog sich dabei auf die gern vernachlässigten Aspekte des Datenschutzes und der Mitbestimmung (hier Betriebsrat). Damit war klar, dass auch der Verkauf von Software nicht immer friedlich von statten geht. Und selbst wenn sie erfolgreich eingeführt werden konnte, so sprich man nicht von einem normalen Live-Betrieb, sondern vom Betrieb under Gefechtsbedingungen.

Sie sehen, es sind gefährliche Zeiten im Büro. Aber vielleicht erklärt es auch zu einem gewissen Teil, warum im Büro so viel gezankt, gestritten und gekämpft wird. Versuchen Sie einmal auf Ihre verwendete Sprache zu achten und bleiben sie friedlich 🙂

In diesem Sinne,
ein Lächeln bewegt mehr…

Über den Autor


Peter Kleinau
Peter Kleinau

Geschäftsführender Gesellschafter bei der Executive Mediation GmbH

Schwerpunkte: Strategischer Berater, Leadership Coach & Innovations Facilitator