Authentisch ist nicht gleich authentisch!

Jeden Tag erreichen mich Artikel, Nachrichten und sogar Berichte vom Deutschen Anlegerfernsehen in denen es um ein offenbar sehr aktuelles Thema geht: Authentizität. Anlass ist wahrscheinlich das kürzlich veröffentlichte Buch “Sei nicht authentisch!” von Stefan Wachtel.

Ein derartig kontroverser Titel regt natürlich die Diskussion an, da es gegen die Überzeugungen und Freiheiten steht, die sich eine ganze Generation schwer erarbeitet hat. Die Botschaft lautet: “Du kannst nicht überall mit Rollkragenpullover auftauchen, außer du bist Steve Jobs”.

Die zentrale Aussage ist, dass man gerne authentisch sein darf, aber bitte im Rahmen der erwarteten Konventionen. Und wenn ich möchte, dass die Leute mich mögen (oder als Politiker sogar wählen), kann es sein, dass ich eine bestimmte Rolle spielen muss. Wichtig ist dabei nur, für die anderen authentisch zu erscheinen, damit sie mir meine Botschaft abkaufen.

Das spannende dabei ist, dass der Begriff Authentizität gleichgesetzt wird mit purem instinktgesteuerten Verhalten, ohne Nachdenken, ohne Kontextbewusstsein. Das scheint mir etwas übertrieben.

Ich teile die Ansichten zum Rollenbewusstsein. So habe ich bereits selbst einen Artikel über die verschiedenen Rollen geschrieben, die wir innerhalb eines Tages einnehmen müssen. Natürlich ist das Verhalten immer an die Rolle angepasst. In der einen Rolle darf ich beispielsweise einen Rollkragenpullover tragen, in der anderen sollte es ein Anzug sein.

Mein Verständnis von Authentizität ist jedoch ein völlig anderes. Es ist dabei weniger wichtig, ob ich mich nach außen authentisch verkaufen kann, sondern viel eher, in den verschiedenen Rollen sicher zu sein. Bestimmt werden Sie mir zustimmen, dass man es jemandem ansieht, wenn er sich in seinem Anzug unwohl fühlt. Erst wenn ich selbst mit einer Rolle im reinen bin, kann ich auch authentisch sein und werde auch so wahrgenommen. Es fängt jedoch stets bei einem selbst an.

Nehmen Sie als Beispiel einen Projektleiter. Er ist neu in der Rolle, alle aus seinem Projektteam sind auch seine Kollegen. In dieser Rolle muss er hin und wieder direkte Arbeitsanweisungen geben. Es widerstrebt ihm, deutliche unmissverständliche Anweisungen zu geben. Er glaubt es könnte negative Konsequenzen auf die Beziehung mit den Kollegen haben. Durch diese Unsicherheit wirkt jede ausgesprochene Arbeitsanweisung nicht authentisch.

Auch eine perfekt gespielte Rolle, kann nicht authentisch sein, sofern ich mich selbst in ihr unwohl fühle. Darüber können auch rhetorische und äußerliche Tricks nicht hinwegtäuschen. Die Rolle wird von der Außenwelt nicht als echt wahrgenommen.

Authentisch ist, wenn mein Verhalten meinem Wertebild entspricht und ich mich damit sicher fühle. Eine Möglichkeit sicherer in seiner Rolle zu werden ist der Ausbau der eigenen Fähigkeiten, also Methodenkompetenz, Wissen und Erfahrungen. Auch an der eigenen Einstellungen und dem Wertebild kann man arbeiten, auch wenn es mit mehr Engagement verbunden ist.

Wie authentisch Sie in welcher Rolle sind, dass können Sie sogar herausfinden. Mit MasterTypo3®, dem Modell der Authentizität können Sie herausfinden, ob ihr Denken und ihr Handeln im Einklang und damit authentisch sind. Wir haben dazu auch ein kurzes Video veröffentlicht, welches das Modell anschaulich erklärt:

Authentisch zu sein, Echt zu sein, ist etwas, dass von innen heraus nach außen strahlt. Eine gut geschriebene Rede oder ein schöner Anzug kann helfen, wird Sie aber in dieser Situation nur für das ungeübte Auge authentisch erscheinen lassen. Keine Frage, echt ist nicht immer perfekt, aber es ist echt.

In diesem Sinne, ein Lächeln bewegt mehr…

Peter Kleinau

Über den Autor


Peter Kleinau
Peter Kleinau

Geschäftsführender Gesellschafter bei der Executive Mediation GmbH

Schwerpunkte: Strategischer Berater, Leadership Coach & Innovations Facilitator