Alles wird gut! – Oder warum Ziele auch motivieren dürfen!

Ziel – Motivierender vielversprechender Zustand den zu erreichen einen gewissen Aufwand bedeutet.Zusammenfassend aus Wikipedia
Die Frage was uns antreibt ist eine sehr spannende. Schon seit Jahrhunderten versuchen Wissenschaftler genau zu ergründen, warum wir bestimmte Dinge tun und wiederum andere Dinge nicht tun. Neben verschiedensten tiefenpyschologischen Erkenntnissen die sich auf Erziehung und kindliche Vorprägung beziehen, gefällt mir eine einfache Sichtweise ganz besonders: der Mensch braucht Ziele. Der Mensch ist nur dann motiviert zu handeln, wenn er in der Lage ist, sich den genannten Zielzustand persönlich zu eigen zu machen.

Doch insbesondere die Definition und Ausgestaltung von Zielen ist keine leichte Aufgabe. Denn nur wenn einer gewissen vorgestellten Situation der Stempel „Ziel“ aufgedrückt wurde, ist dies nicht automatisch ein Motivator und kann u.U. sogar den gegenteiligen Effekt haben. Stattdessen sollte bei der Gestaltung und Beschreibung von Zielen darauf geachtet werden, dass sie SMART sind. Dieses Akronym ist vielerorts bekannt, wird aber in der Auslegung regelmäßig unterschiedlich definiert und gehandhabt. Allein auf Wikipedia finden sich unzählige Deutungen und Übersetzungen dieser Abkürzung. Hier sollen folgende Begriffe genutzt werden: (s)pezifisch, (m)essbar, (a)ttraktiv, (r)ealistisch & (t)erminlich fixiert. Unabhängig dieser Begriffsmanie sollten all diese Aspekte durch ein motivierendes Ziel abgedeckt sein:

Spezifische Beschreibung

Die unmissverständliche schriftliche Beschreibung des Zielzustands und des Kontexts in dem dieser Zustand förderlich oder motivierend ist. Es darf bei der Beschreibung gern auch über ein einzelnes Stichwort hinaus gehen. Je genauer und eindeutiger die Beschreibung des angestrebten Zustands ist, desto leichter lassen sich auch die nächsten Schritte und Aktivitäten ableiten.

Messbarkeit

Neben der Beantwortung der Frage „Was ist unser Ziel“ muss die ebenso spannende Frage beantwortet werden: „Woran erkennen wir, wann das Ziel erreicht ist?“ Dazu ist es unabdingbar, dass die Zieldefinition auch messbar ist oder messbar gemacht wird. Die Kriterien dafür müssen überprüfbar und konkret auf die spezifische Beschreibung ausgerichtet sein. Dies bedeutet allerdings nicht nur Metriken und Messwerte zu haben, sondern auch Schwellwerte und die entsprechenden Werte zur Feststellung der Zielerfüllung. Ich empfehle hierbei immer den Ampeltest: Dabei ist alles soweit festgelegt und messbar, dass ich zu jedem Zeitpunkt hinter meine Messwerte eine Ampelfarbe (rot, gelb oder grün) setzen kann, um zu erkennen wie der Erfüllungsgrad bezogen auf das Ziel tatsächlich ist. Zur Unterstützung der Messbarkeit empfiehlt sich ebenfalls bereits zu Beginn jeglicher Aktivitäten einen Basiswert zu ermitteln, denn selbst bei einer gefühlten Zufriedenheit von 8 ist stets die Frage haben wir bei 3 oder bei 9 begonnen und was ist ausgehend davon dann der Zielwert. Die Ermittlung eines solchen Basiswertes kann sich auch wieder auf die spezifische Beschreibung des Ziels auswirken.

 

Attraktivität

Die nüchterne Beschreibung eines Zielzustands und die dazugehörige objektive Messfähigkeit zur Überprüfung der Zielerreichung sind jedoch nur die halbe Miete. Um motivieren zu können ist es notwendig, dass das Ziel auch ein erstrebenswertes Ziel ist. Es gilt ein stets positiv formuliertes Ziel mit attraktiven Attributen auszustatten. Dafür darf in der Beschreibung auch extra dick aufgetragen werden. Die Erreichung des Ziels und der Zustand der sich mit dem Erreichen einstellt, darf alle Sinne berühren: wie fühlt sich das erreichte Ziel an, was ist sichtbar, was ist hörbar?
Denken Sie an die Ziele, die Sie sich gesteckt haben oder die mit Ihnen (im Job oder privat) vereinbart worden sind. Welches dieser Ziele ist so attraktiv, dass es Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubert, wenn Sie daran denken. Und während Sie grade lächeln, merken Sie bereits, dass es wieder an der Zeit ist, etwas für das Erreichen dieses Ziels zu tun!
Sollten Sie nicht lächeln, wenn Sie an Ihre Ziele denken, sind es vielleicht gar nicht Ihre eigenen, oder Sie dürfen die SMARTe Zielbeschreibung gleich einmal ausprobieren.

Realistische Zielsetzung

Es ist ungefähr wie das Henne-Ei-Problem. Wie erkenne ich meine Potenziale, wenn ich mir nur Ziele setze, die ich mit absoluter Sicherheit auch erreiche? Was sind dann realistische Ziele? Grundsätzlich sollten Ziele so formuliert sein, dass das Erreichen auch durch einen selbst beeinflusst werden kann. Zu kühn und siegessicher sind Teilnehmer regelmäßig in meinen Seminaren, die glaubten, dass ihr Bestehen zu meinen Zielen (also den Zielen des Trainers) gehörte. Natürlich kann es ein messbares Merkmal sein, aber ich kann es nicht direkt beeinflussen. Wenn ich das Ziel eines Lottogewinns habe, ist das leider auch nicht realistisch, da insbesondere hier kein Einfluss genommen werden kann. Sofern ich nur zuschaue und auf das Glück hoffe, taugt der Zielzustand nicht als motivierendes Ziel. Es kann sein, dass ich für das Erreichen eines Ziels möglicherweise noch nicht alle notwendigen Fähigkeiten besitze. Eine Maßnahme zur Zielerreichung kann direkt abgeleitet werden: Die zielorientierte Aus- und Weiterbildung.
Dies setzt weiterhin nicht nur die Fähigkeiten zur Zielerreichung voraus, sondern erfordert auch, dass der Wille vorhanden ist, die Fähigkeiten auch einzusetzen.

Terminlich fixiert

Tatsächlich ist die terminliche und zeitliche Fixierung am Ende auch nur eine Messung. Aber insbesondere zur Planung und auch zur Erfolgskontrolle ist sehr wichtig, dass auch ein Datum festgelegt ist, wann ein Ziel erreicht sein muss. Auf der Zeitachse können somit auch Zwischenziele dargestellt werden und auch Zeiträume (frühestens, spätestens) benannt sein. Wenn dem Ziel eine zeitliche Komponente fehlt, wie zum Beispiel bei der unter Führungskräften beliebten Abkürzung ASAP (As Soon As Possible), kann dies unvorhersehbare Folgen haben. Gemeint ist vielleicht heute, spätestens morgen, Ende der Woche, des Monats, oder tatsächlich sobald es mir wieder möglich ist, was unter schlechten Gegebenheiten auch Ende nächsten Jahres sein kann. Außerdem kann eine Bindung an ein Abgabe- oder Erreichungsdatum zusätzlich zu Motivation führen. Überlegen Sie dafür einfach kurz wie viele Ihrer Ergebnisse es nicht gäbe, wenn sie die letzte Minute nicht gehabt hätten…

Zusammengefasst: SMARTe Ziele, die in dieser Form sowohl vereinbart als auch dokumentiert sind, werden massiv zur Aufrechterhaltung und Steigerung der Motivation beitragen.

Das Schöne an diesem Vorgehen ist, dass es sowohl im beruflichen Umfeld als auch privat eingesetzt werden kann. Insbesondere für persönliche Ziele ist diese Art der Zielformulierung sehr viel bindender und präziser, als bspw. ein guter Vorsatz fürs nächste Jahr („mehr Sport machen“) – das schlechteste Beispiel für ein Ziel. Probieren Sie es gern aus. Einfach an Silvester mit den Freunden oder der Familie die Vorsätze (Ziele) einmal SMART formulieren und aufschreiben. Gerade wenn Sie sich zum 6. mal vornehmen wollen, mehr Sport zu treiben, hilft Ihnen möglicherweise dieser Ansatz.

Im Job hingegen sind Sie umgeben von existierenden Zielen: Projektziele, Prozessziele, Abteilungsziele und je nach Firma auch persönliche Entwicklungsziele. Allein diese Ziele in ihrer Formulierung auf z.B. Messbarkeit zu überprüfen und ggf. anzupassen, kann die tägliche Arbeit stark verändern. Außerdem: Definieren Sie doch die Ziele für die Gehaltserhöhung oder die Beförderung einfach nach SMART. Das wird stärker motivieren, als ein „Alles wird gut“, „Ich geb‘ mein Bestes“ oder „Wir kümmern uns zu gegebener Zeit darum“.

Ich kann nur empfehlen genau hinzuschauen und sich mit dem vielversprechenden zukünftigen Zustand genau auseinanderzusetzen. Denn Ziele machen nur Spaß, wenn man sie auch erreicht.

Herzliche Grüße,
Peter Kleinau